Oh happy day

Mittwoch, 11. Januar 2017

Verständigungsschwierigkeiten

Wow, Weihnachten schon wieder vorbei, Neues Jahr gerade angefangen und schon hat man wieder das Gefühl, das alte Jahr liegt soooo ewig weit zurück. Schon ein wenig komisch ... finde ich. :)

Als ich so meine Posts und Entwürfe durchsah, musste ich wieder an eine kleine Begebenheit zurückdenken, die sich ereignet hatte, als unser Jüngster noch in der Grundschule war. Hihihiii ... das hört sich jetzt wirklich so an, als ob das schon so ewig her wäre, ist es in dem Fall aber nicht, weil er sich gerade im zweiten Schuljahr der weiterführenden Schulart befindet.

Aber als die "Geschichte" sich sich im letzten Grundschuljahr zutrug musste ich so schmunzeln und dachte schon damals, das wäre mal ein Thema für einen Post.

Diejenigen unter Euch, die Kinder haben, kennen das: man ist als Mutter ab dem Kindergarten sehr gefordert! Irgendwie ist man ständig am Kuchen backen, verkaufen, Fest mitgestalten oder Kinder bzw. Klassen bei Ausflügen begleiten. Wenn ich ehrlich bin ... diese Forderungen aus der Kindergarten- und Grundschul-Zeit vermisse ich so überhaupt nicht. Auch wenn sie immer wieder mal für Erheiterung sorgten.

So war ich also als Mutter mal wieder gefordert, weil mein Jüngster sich sehnlichst wünschte, dass ich auch mal mit ihm und seiner Klasse an einem Ausflug teilnehmen sollte. Ja, dazu zu sagen, fiel mir gar nicht leicht. Zu sehr hatte ich noch den vorherigen Ausflug unseres Vierten in Erinnerung:

Eine Fahrt mit dem Bus, dann eine "kleine" Wanderung durch den Wald bis zum Zielort, einem alten Bauernhof, auf dem bis vor einigen Jahren noch eine alte Frau lebte wie vor hundert Jahren ohne Strom und fließendes Wasser. Heute ein Museum, kann man diesen Bauernhof eigentlich sehr angenehm mit dem Bus direkt erreichen. Aber der damalige Klassenlehrer fand es angebrachter, die damals vor Energie nur so strotzenden Viertklässer auszupowern, damit sie dann etwas ruhiger den Museumsrundgang hinter sich brächten. Dabei hatte er leider nicht die eine - nicht mehr ganz so junge und vor allem nicht gerade konditionsstarke - Mutter im Blick, die sich hechelnd durch den Wald quälte.

Gut, runterwärts ging es noch ganz flockig, wobei ich schon das eine oder andere Mal dachte, mich zu erinnern, der Bauernhof würde doch eher oben am Berg liegen und mir die Marschrichtung immer weiter nach unten in ein Tal doch langsam merkwürdig vorkam. Ob er einen anderen Bauernhof meinte??? Leider nein! Nach dem Überspringen eines kleinen Bachlaufes ging es dann zielstrebig und SEHR steil geradeaus nach oben! Und das nicht nur ein paar Meter, sondern gut und gern ... hm, ich schätze mal ... so ca. 100 Höhenmeter. Ich bildete das Schlusslicht und der Abstand zur Gruppe wurde immer größer, bis mir mein Vierter eifrig einen dicken Ast brachte, auf den ich mich fortan stützen konnte. Dann richtete ich meinen Blick nicht mehr auf den allzuweit entfernten Zielpunkt weit oberhalb von mir, sondern einfach nur noch nach unten auf den Weg und setzte keuchend einen Fuß vor den anderen: vier Schritte einatmen, acht Schritte ausatmen, vier Schritte einatmen, acht Schritte ausatmen ... und so weiter und so fort.

Als ich dann mit hochrotem Kopf, aufgelöster Frisur und kaum eines Wortes mächtig endlich oben angekommen war, musste ich den fragenden Blick so manchen Viertklässers stoisch über mich ergehen lassen und mich meinem Vesper widmen, um wieder zu Kräften zu kommen.

Nach dieser "Erfahrung" mag so mancher verstehen, dass ich nicht mehr wirklich erpicht darauf war, einen weiteren Ausflug mitzumachen.

Aber naja, wie gesagt, mein Jüngster bettelte und bettelte und als ich mir den "Flyer" der Klassenlehrerin ansah, ließ ich mich breitschlagen, ging es darin doch weder um eine Wanderung, noch um irgendwelche weit abgelegenen Bauernhöfen, sondern einfach um den Besuch einer Konzertveranstaltung für Kinder in der ca. 60 km entfernten Universitätsstadt. Die Fahrt dahin war per Bahn geplant und die Konzerthalle in geringer Laufnähe zum Hauptbahnhof. Das hörte sich doch gut an. Also tat ich meinem Jüngsten den Gefallen und meldete mich als "freiwillige" Begleiterin des Ausfluges an, sehr zur Freude meines "Kleinen".

Der Ausflug war wirklich ganz nett, wenn man mal davon absieht, dass es selbst mit zwei Lehrern und zwei Begleit-Müttern eine Herausforderung bedeutet, zwei Grundschulklassen von Viertklässern zuerst in eine S-Bahn und dann in einen Regionalexpress umsteigen zu lassen und vor allem, nicht aus Versehen den einen oder anderen zu verlieren in dem Gewusel.

Die Lehrerin meines Sohnes bat mich gleich zu Beginn ... :) wieder einmal das Schlusslicht zu bilden und dabei bitte zwei der Jungen aus der Klasse im Auge zu behalten. Zuerst wunderte ich mich ein wenig, die beiden wirkten gar nicht auffällig oder gar lebendig oder schwer zu "händeln". Im Gegenteil, zwei recht brav aussehende Bürschlein. Doch recht bald merkte ich, warum die Lehrerin mich um Aufmerksamkeit gebeten hatte.

Die zwei Kerlchen waren sehr in ein Gespräch vertieft und wurden währenddem beim Laufen immer langsamer, blieben bisweilen sogar gerne einmal stehen, um sich gegenseitig Dinge mit beiden Händen gestikulierend besser erklären zu können.

Da mir klar war, dass unser Zeit-Kontingent ein wenig den Fahrplänen der Bahn unterlag, bat ich die beiden am Anfang immer mit meiner freundlichen "Freunde der Kinder Stimme", sie mögen sich doch ein klitzekleinwenig beeilen. Die andere Mutter, die am Anfang noch neben mir gelaufen war, hatte sich schnell abgeseilt und war den "schnelleren" Mädchen gefolgt, während ich mich darum bemühte, den Abstand zwischen meinen beiden Pappenheimern und der restlichen Gruppe nicht zu groß werden zu lassen. Irgendwann gab ich meine "Ansagen" auf und begann einfach, sie immer wieder zwischendurch mit beiden Händen vorwärts zu schieben bis wir wieder aufgeschlossen hatten, was sie mit ambivalentem Gleichmut über sich ergehen ließen, ohne das eigene Tempo auch nur annähernd zu erhöhen.

Was war ich froh, als wir endlich das Umsteigen hinter uns hatten und uns auf der längeren ca. einstündigen Fahrt befanden. Warum mein Sohn mich bei dem Ausflug dabei haben wollte, erschließt sich mir immer noch nicht ganz. Denn sobald ich am Ende der Zweierreihen meine Aufstellung vorgenommen hatte, wart er in meiner Gegenwart nicht mehr gesehen. Er setzte sich auch im Zug zu seinen Freunden und kam nur hin und wieder einmal zu mir, da er sich innerhalb der ersten zwanzig Minuten fast völlig seines Vespers entledigt hatte und um meines bzw. um die Notration bat.

Diese Eigenständigkeit meines Jüngsten hatte aber den Vorteil, dass ich mich ein wenig zurücklehnen konnte, um die "Ruhe" im Zug zu genießen. Ich saß mit den beiden Kerlchen (die ich immer noch im Auge behalten und vor allem dafür zu sorgen hatte, dass sie auch mit ausstiegen und nicht einfach sitzenblieben) in einem Dreierabteil , die letzte Sitzgruppe direkt an der Tür zum Großraumabteil. Das hatte den Vorteil, niemanden neben mir zu haben, gleichzeitig den Überblick über die Türe und weiterhin mich ganz auf das intensive Gespräch der beiden Jungs konzentrieren zu können. Was ich sehr erheiternd und eben für erinnerungswert hielt, weshalb ich hier diesen Post eigentlich dem Gespräch widmen möchte.

Die beiden waren so vertieft in ihre Unterhaltung, dass sie nicht mitbekamen, was um sie herum vor sich ging. Eigentlich ganz süß, der eine blond und blauäugig, der andere braunhaarig und mit den passenden dunklen Augen. Hm, ich werde den beiden mal "Namen" geben, damit ich nicht immer der "Eine" oder der "Andere" schreiben muss. Und nur zur Erklärung, die tatsächlichen Namen der beiden Jungs habe ich vergessen. Also, sagen wir mal, der blonde Junge heißt Max und der dunkelhaarige Moritz. ;)

Sehr schnell wurde mir beim "Belauschen" des Gespräches klar, dass Max der Tonangebende des Duos war. Er hatte immer eine schlaue Antwort und wirkte absolut von seiner Meinung überzeugt, was Moritz jeweils mit großen Kulleraugen widerspruchslos hinzunehmen schien. Eine ganze Weile diskutierten sie über ein Spiel, welches wohl mit einem Smartphone spielbar ist. Dummerweise war es wohl so, dass Moritz um einige Level weiter war, als Max. Was diesen dazu veranlasste, sehr ausgiebig und nachdrücklich zu erklären, woran dies liegen möge. Als Moritz ihm großmütig anbot, auf seinem Smartphone für Max zu spielen, um ihn über die fehlenden Level hinwegzuhelfen, nahm Max dies auf unnachahmliche Weise so an, dass man das Gefühl bekam, er täte Moritz damit einen Gefallen, indem er ihn ihm helfen ließe. Amüsant!

Das Gespräch plätscherte ununterbrochen weiter, bis unschwer zu erkennen war, dass sie beiden sich von besagtem Smartphone-Spiel weg zum wohl in absehbarer Zeit stattfindenden Kindergeburtstag von Max begeben hatten. Max erklärte Moritz, wen er alles eingeladen habe und was er sich zum Geburtstag wünschen würde. Da der Wunsch wohl die einzelnen Geschenkbeträge bei weitem übersteigen würde, kamen die beiden recht schnell auf die Idee, er könne sich ja, statt mehrerer kleiner Geschenke, mehrere Gutscheine eines bekannten Drogeriemarktes schenken lasse, welcher auch für seine umfangreiche Spielzeugabteilung bekannt war.

Moritz ließ sich von Max erklären, dass er sich einen bestimmten Bausatz aus vielen kleinen aufeinandersetzbaren Teilchen wünschte, der insgesamt 25,95 Euro kosten würde. Natürlich wollte er von Moritz auch wissen, ob er schon ein Geschenk für ihn habe, was dieser sehr zu Max' Erstaunen auch bejahte, wobei es sich aber sehr zu Max' Unmut eben nicht um jenen Bausatz handelte. Man sah förmlich die kleinen Rädchen in Max' Kopf rotieren, als er sich überlegte, welche Beträge er sich wünschen müsse, um mit den verbleibenden Kindergeburtstagsbesuchern auf die benötigten 25,95 Euro zu kommen.

Sein Blick ging ins Leere und er knabberte an seiner Unterlippe herum, während ihn Moritz nur treuherzig von der Seite anblickte und darauf wartete, was er sagen würde. Nach reiflicher Überlegung ging ein Aufleuchten über Max' Gesicht und er nickte eifrig, dann wendete er sich Moritz zu und erklärte ihm: "Ich wünsche mir drei 10'er-Gutscheine, dann kann ich mir das Paket auch kaufen! Aber du musst mir auch einen Gutschein schenken."

Moritz nickte zaghaft, wenngleich seinem Gesicht abzulesen war, dass es ihm schwer fiel, seinem Freund gedanklich zu folgen. Max strahlte aber weiter und meinte nur: "So passt es!" Was wiederum Moritz dazu veranlasste, seinerseits Kopfrechnungen anzustellen, scheinbar gefiel ihm die Vorstellung nicht, das von seiner Mutter bereits vorbereitete Geburtstagsgeschenk für Max durch einen Gutschein zu ersetzen. Auch ihm konnte man die anstrengende Kopfarbeit deutlich ansehen, bis auch er zu einer Lösung kam: "Aber wenn du 13'er-Gutscheine willst, brauch ich dir doch keinen Gutschein schenken!"

Max starrte seinen Freund vorwurfsvoll an, man konnte ihm deutlich ansehen, dass er Widerworte nicht gewohnt war. "Na doch, das Paket kostet doch 25,95 Euro!" Ich musste sehr an mich halten, nicht laut aufzulachen, da mir in der Zwischenzeit klar geworden war, dass Max außer Moritz wohl nur noch zwei weitere Kinder eingeladen hatte, weshalb Max natürlich auch von Moritz eben den dritten 10'er-Gutschein wollte, also insgesamt drei 10'er Gutscheine.

Moritz nickte Max eifrig zu: "Ja, das stimmt doch! Du willst 13'er-Gutscheine, das reicht genau!" Max sah seinen Freund ein wenig erstaunt an und zuckte dann mit den Schultern: "Ja, das hab ich doch gesagt, ich will drei 10'er-Gutscheine." Moritz strahlte seinen Freund an, der ihn verstanden zu haben schien. Und somit war die Diskussion der beiden - irgendwie dann doch einvernehmlich - beendet.

Ab da wendete sich das Gespräch dann wieder anderen Dingen und Spielen und Spielzeugen zu, bei denen ich schnell den Faden verlor und meinerseits einfach ein wenig meinen Gedanken nachhing und über das gehörte Missverständnis nachgrübelte, bis wir unsere kleine Herde wieder sammeln und aus dem Zug bugsieren mussten.

Auf der einen Seite fand ich das ganze einfach nur lustig, was für ein Missverständnis und doch waren beide bis zum Schluss der Meinung, einander verstanden zu haben. Da hätte ich beim Geburtstag von Max doch zu gerne Mäuschen gespielt.

Auf der anderen Seite ging mir durch den Kopf, wie oft ich wohl auch schon solche Missverständnisse erlebt hatte bzw. wie oft wir der Meinung sind, genau zu wissen, was unser "Gegenüber" gemeint haben will. Und wie oft dies Ärgeres, als Unmut bei einem Kindergeburtstag ausgelöst haben kann. Was mich unweigerlich zu der Frage brachte, wie kann ich solche Missverständnisse vermeiden?

Tja, tut mir leid, ich glaube, hier gibt es keine Patentlösung, man ist immer wieder neu gefordert, mit Situationen umzugehen. Und ich glaube, dass es viel öfter vorkommt, als wir denken, weil wir meiner Meinung nach, einfach viel zu oft mit "unseren persönlichen" Ohren hören. Damit meine ich, das, was wir verstehen (wollen), ist sehr oft geprägt von dem, was wir erwarten zu hören. Und manchmal entspricht es dem ja auch und dann sind alle glücklich und zufrieden.

Aber manchmal halt auch nicht und dann fängt es mit einem Mal an, dass eine vorher harmonische Situation plötzlich anfängt zu kippen und man in dem Moment gar nicht weiß, was eigentlich passiert ist. Also, ganz ehrlich, ich gebe zu, ich kenne solche Situationen und wie oft habe ich mir nicht schon gewünscht, ich hätte erst nochmal innegehalten und darüber nachgedacht, als sofort meinen Unmut loszuwerden.

Beispiel? Aber gerne doch ... eines der Dinge, die mich immer wieder mal beschäftigen, ist, dass unsere Jungs so schnell groß werden. Unsere gemeinsame Zeit mit ihnen wird sich verändern in den nächsten Jahren, sie werden aus dem heimischen Nest hinausstreben und ihren Weg gehen. Was ja auch gut und richtig ist. Aber manchmal überkommt mich dabei doch ein wehmütiges Gefühl, ich bin halt nach wie vor ganz und gar leidenschaftlich eine "Mommy". Wenn mich dann wieder mal so ein Gefühl beschleicht, gehe ich damit natürlich zu dem Menschen, der dieses Gefühl meiner Meinung nach am meisten nachempfinden können müsste, meinem Besten.

Das ganze kann dann so ablaufen, dass ich ihm versuche, nahezubringen, dass unsere Kinder bald nicht mehr mit uns unter einem Dach wohnen werden und ich mir wünschen würde, wir Eltern würden in unserem manchmal doch recht vollen und hektischen Alltag mehr Raum schaffen, um ganz gezielt mit ihnen Zeit zu verbringen. Das ist doch ein ganz und gar legitimer Wunsch für eine Mutter, oder nicht?

So weit so gut! Mein Bester bemüht sich also ganz ehrlich, meine Emotionen nachzuvollziehen - er kennt mich ja nun auch schon ein Weilchen - nickt mit mehrfachen "Hmms" und "Jaas" dazu und gibt mir doch klar damit zu verstehen, dass er wüsste, was ich meine und einer Meinung wäre mit mir.

Was mich glücklich und zufrieden macht und ich - selbstverständlich - erwarte, diese meine Wünsche und Hoffnungen baldmöglichst umgesetzt zu sehen, er hat mir ja schließlich zugestimmt.

Und bald darauf, kann es dann vorkommen, dass ich von irgendeiner Arbeit im Haushalt, irgendeinem Meeting, irgendeinem Dienst komme und mich darauf freue, endlich mal wieder Zeit mit meinem Besten und unseren Kindern zu verbringen, in der wir z. B. zusammen sitzen, reden, austauschen, Brett- und/oder Gemeinschaftsspiele spielen etc. und finde meinen Besten justament mit den beiden Jüngsten vor, wie sie im Wohnzimmer zusammen vor einer Spielekonsole sitzen und voller Begeisterung ein Spiel zusammen spielen, bei dem man z. B. versucht, virtuell mit einem Auto (!!!) Fußball zu spielen. Und dabei bekringeln sie sich vor Lachen und machen sich fast in die Hosen vor Spaß und lautstarkem Gelächter.

Das ist er dann, der Moment, in dem ich eine Entscheidung treffen muss!

Lasse ich meinen Unmut raus und alle schauen betröppelt aus der Wäsche oder freue ich mich einfach über den Spaß, den sie miteinander haben und an den sich die Jungs mit Sicherheit auch immer gerne zurückerinnern werden?

In solchen Momenten wird mir dann klar, dass ich mal wieder genau "gewusst" habe, was mein Bester zu mir gesagt hatte und es damit völlig missverstanden habe. Natürlich sprachen wir über das "Gleiche"! Nämlich darüber, Zeit mit unseren Kindern zu verbringen. Ich verstand darunter nur drei 10 Euro Gutscheine und er redete von 13 Euro Gutscheinen.

Es gab schon Zeiten, ich gestehe, in denen ich ihm dann so ein "Missverständnis" um die Ohren schlug und ihn dann auch noch dafür verantwortlich machte. Peinlich, aber leider zu oft wahr. In der Zwischenzeit habe ich gelernt - hoffe ich doch zumindest - immer erstmal innezuhalten und zu überlegen, was eigentlich passiert war bzw. was ich gesagt und er verstanden hatte.

Beziehungsweise, wenn ich dann noch sehe, das Ergebnis entspricht eigentlich auch dem, was ich mir gewünscht habe, nämlich, dass mein Bester als Vater richtig gute und lustige Zeit mit seinen Söhnen verbringt ... dann fällt es mir auch leichter, es einfach so stehen zu lassen.

Aber natürlich fällt mir das nicht in jeder Situation so leicht und wie dankbar bin ich, dass ich dann auf den reichen Erfahrungsschatz unserer Pastoren zurückgreifen und mich erinnern kann, was sie zu solchen "Momenten" zu sagen haben.

Unsere Pastoren hielten schon mehr als eine Predigt über Kommunikation, weil es wohl doch ein sehr wichtiges und immer wiederkehrendes Thema ist! Und in einer davon gaben sie einen guten Tipp, den ich Euch gerne weitergeben möchte. Nicht falsch verstehen, sie gaben uns schon gaaaaanz viele gute Tipps, ich greife jetzt nur einen heraus, weil ich damit etwas verdeutlichen möchte zu dem Thema des Posts.

Wenn es um "kritische" Themen geht, machten sie den Vorschlag, einen Stift bereit zu halten, kann auch ein Stöckchen, eine Fahne oder sonst was sein. Und dieser Stift wird abwechselnd zur Hand genommen. Das heißt, es redet immer nur derjenige, der den Stift hält und der andere hört zu. Danach wird der Stift gewechselt und jetzt kommt das Wichtige ... der andere fragt nach: Habe ich richtig verstanden, dass Du das und das gesagt und damit gemeint hast? Das kann dann eine Weile hin und her gehen, bis man sich wirklich verstanden hat. Und wenn man das Ganze noch an einem öffentlichen Ort, z. B. bei einem Restaurantbesuch, vornimmt, vermindert es auch die Gefahr, aus dem Ruder zu laufen ... meistens jedenfalls. ;)

Ich glaube, Ihr versteht schon, was ich bzw. unsere Pastoren damit sagen wollen, oder? Es ist so wichtig, dass wir uns darüber im Klaren sind, dass unser Gegenüber nicht automatisch verstehen kann, was wir eigentlich sagen wollen. Und oft fühlt man sich angegriffen, nicht ernstgenommen, nicht mehr geliebt, wenn Missverständnisse entstehen, dabei ist es aber doch so menschlich und normal. Denn kein Mensch kann uns so verstehen und ins Herz sehen wie Gott es kann und doch erwarten wir es immer wieder von ihnen.

Wenn ich dann diesen wirklich guten Ratschlag berücksichtige und bereit bin, erst einmal zuzuhören und dann aufzuzeigen, was ich verstanden habe ... dann kann gute Kommunikation beginnen.

So viel also mal für heute! Ich wünsche Euch noch einen super guten Start in das neue Jahr und viele, viele wundervolle Momente voller guter Kommunikation, Gemeinschaft, Lachen, Liebe und Freude aneinander.

Seid gesegnet mit dem Segen des Einen und Einzigen, der uns immer und ganz und gar richtig versteht, weil Er in unser Herz sieht!

Ich hab Euch lieb und Jesus auch,
Eure Mommy

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Weihnachten 2016



»Habt keine Angst!«, sagte er. »Ich bringe eine gute Botschaft für alle Menschen! Der Retter - ja, Christus, der Herr - ist heute Nacht in Bethlehem, der Stadt Davids, geboren worden! Und daran könnt ihr ihn erkennen: Ihr werdet ein Kind finden, das in Windeln gewickelt in einer Futterkrippe liegt!« 

Lukas 2,10-12



Ach, die Weihnachtsgeschichte ... ist sie nicht schön? Überkommt uns nicht ein wohliges Gefühl, beim Gedanken an die heimelige und friedliche Szene an der Krippe, auf dem Feld bei den Hirten, bei der Ankunft der Heiligen Drei Könige? Ist nicht Weihnachten in der Zwischenzeit fast mehr bekannt als das Fest der Liebe? Wird das nicht über alle Medien kommuniziert? Das Fest der Lichter, der Liebe, des Friede, Freude, Eierkuchens?

Und ja, ich gebe es zu, ich liebe diese Advents- und Weihnachtszeit wirklich, ich liebe es, wenn man enger zusammenrückt und eher bereit ist, in Liebe miteinander umzugehen. Dagegen ist ja gar nichts einzuwenden. Aber ich finde es auch spannend, mir mal ganz ehrlich Gedanken darüber zu machen, wie das erste Weihnachtsfest denn tatsächlich so stattgefunden haben könnte.

Angeregt dazu hat mich mein Bester, der bei einer Weihnachtsfeier gebeten worden ist, einen kleinen geistlichen "Input" zu geben. Und seine Gedanken fand ich so gut, dass ich mich entschlossen habe, diese zum Thema dieses Weihnachtsposts zu machen.

Seine Gedanken begannen bei einem Stall, ausgelöst durch eine Erkenntnis, die er in unserem Sommerurlaub bekommen hatte.

Wenn mein Bester und ich an Stall denken, dann denken wir zurück an unsere Kindheit und genauso wie er, erinnere ich mich dabei auch an große Gebäude mit dicken Mauern, sehr kleinen Fenstern und einem schweren Tor. Wenn man durch dieses Tor schlüpfte schlug einem sofort eine eigentlich angenehme Wärme, aber vor allem heftiger Gestank entgegen. Als Kind konnte ich mich stundenlang in dem Kuhstall unserer "Nachbarn" im Dorf aufhalten, wenn ich Milch holen ging. Ich fand's immer schön ... meine Eltern weniger, die mich dann immer am liebsten mitsamt meiner Kleidung im Garten abgestrahlt hätten. Aber ja, das war und ist so meine Vorstellung, wenn ich "Stall" höre. Ebenso bei meinem Besten.

Beim alljährlichen Aufbau unserer Weihnachtskrippe, die Ihr oben sehen könnt, fiel ihm dann immer wieder auf, dass dieses "Bild" eines Stalles, so gar nicht seinem Bild eines Stalles entsprach. Man kann ja reinschauen, keine Wände drumherum, ziemlich offen das Ganze. Irritiert hat es ihn nicht wirklich, hat er darin wohl eher "idalistische Verzerrung" gesehen oder gedacht, was macht eine Weihnachtskrippe zur Ansicht in der Adventszeit für einen Sinn, wenn man nicht reinschauen kann, also doch eher "künstlerische Freiheit" wahrgenommen.

Im Sommer hat er sich dann eines besseren belehren lassen. Wie schon seit ein paar Jahren, fuhren wir wieder einmal mit unserem "Wohnmöbel auf Rädern" in den Süden, nach Griechenland um genau zu sein. Mit so einem Riesenteil hinten dran, fährt man in der Regel eher gemächlich und hat dabei gut Muße, die Landschaft zu betrachten, die so an einem vorbei tuckert.

Dabei fielen uns dann in Abständen immer wieder merkwürdige "Gebilde" auf. Auf größeren umzäunten Flächen standen Konstruktionen, die offensichtlich keine Wohngebäude waren. Irgendwann erkannten wir dann, dass es sich dabei um Ställe handelte. Und zwar Ställe, die in der Regel aus allerhöchstens drei Wänden und einem Dach bestanden. Also mindestens auf einer Seite offen waren. Beim darüber nachdenken wurde dann schnell klar, dass dies bei den hohen Temperaturen in Griechenland durchaus Sinn machen würde, wolle man nicht am Ende des Sommers nur noch gut durchgegarte Tiere im Stall vorfinden.

Und beim Aufbau der Weihnachtskrippe in diesem Jahr machte das ganze auf einmal Sinn! Na klar, Israel ist nun auch nicht gerade bekannt für seine "arktischen" Temperaturen. Die Ställe dort, dürften wohl eher der Weihnachtskrippe "ähneln", als unseren heimischen Ställen hier. Und in Folge kam der Gedanke auf: Hm, wie mag das im Hinblick darauf wohl wirklich gewesen sein?

Als Mutter stellt sich mir dann wirklich die Frage, hätte ich ein wohliges Gefühl dabei gehabt, wäre die Szene heimelig und friedlich gewesen, wenn ich meine fünf Jungs in einem Raum zur Welt gebracht hätte, bei dem eine Wand einfach mal fehlen würde. So "Tag der offenen Wand" im Kreißsaal?

Ich hätte wahrscheinlich eher kreißend und kreischend meinen Besten gebeten, er solle doch bitte eine Kuh auftreiben, die ein gewisses Maß an Sichtschutz geboten hätte. Nun gut, wir wissen nicht wirklich, ob Maria - so auserwählt sie nun mal wirklich war - nicht eine völlig andere Haltung zu der ganzen Sache hatte. Aber irgendwie kommt schon die Frage hoch, warum eigentlich so? Warum derart öffentlich, entblößt, antastbar und nicht doch in einem Thronsaal?

Diese Frage hat sich mein Bester auch gestellt. Und dann bekam er für sich eine Antwort, die es ihm irgendwie nahe gebracht hat. 

Gott hat sich entblößt! Für uns!

Er wollte sich entblößen, er wollte sich antastbar machen ... und das für jeden! Nicht nur für eine gehobene Adelsschicht oder besonders herausragende Menschen, nein für jeden, selbst für Hirten, die damals an unterster Stelle in der Gesellschaftsordnung standen.

Er hat sich entblößt, jeglicher Würde berauben lassen, damit jeglicher Würdelose Zugang zu Ihm bekommt. 

Und dann fielen meinem Besten noch zwei Begebenheiten aus der Bibel ein, zu denen sich Gott auch entblößt hat vor den Menschen.

Das zweite Mal geschah auf einem Hügel auf Golgatha. Jesus wurde seiner Kleidung entblößt, öffentlich bloßgestellt, zu einem Zeitpunkt, an dem Kleidung eine noch viel gewichtigere Rolle spielte als heute, als diese Aussage über Beruf, Stellung und Würde bedeutete, während Entblößtsein Würdelosigkeit und Minderwert darstellte. Nackt vor aller Augen, entblößter konnte man gar nicht sein.

Und zu guter Letzt entblößte Er sich, als in dem Moment, als Jesus starb, der Vorhang im Tempel entzwei riss und das "Allerheiligste" freilegte, entblößte! Auf einmal Zugang gewährte zum ureigenen Aufenthaltsort Gottes! Dem Ort, den nur einmal im Jahr ein auserwählter Hohepriester nach ganz bestimmten langwierigem Prozedere aufsuchen durfte. 

Und das ist das wundervolle, faszinierende für mich an diesem "entblößten" Gott, Er macht es einfach ganz öffentlich und deutlich und unübersehbar ... Er gewährt mir Zugang zu Sich Selbst! Er hat ALLES getan, damit dies überhaupt möglich ist und wünscht sich nichts mehr, als dass ich Sein Angebot annehme. Gott hat sich uns als Baby und als Mensch gezeigt in Jesus, durch den wir, laut der Bibel, den Vater sehen. Entblößt aller Herrlichkeit und Allmacht, die Er im Himmel hatte, nackt und würdelos und doch völlig ohne Schuld, ist Er unwürdig für mich geworden, damit ich in der Lage bin, Ihm nahe zu kommen. 

Was für ein Gott! 

Ganz ehrlich, mich bewegt dieser Blick in den Stall wirklich sehr und ich wünsche mir einfach an dieser Stelle, dass auch Eure Herzen, vielleicht ganz neu oder einfach wieder bewegt werden von diesem mächtigen, gewaltigen und herrlichen Gott, der uns so sehr liebt, dass Ihn nichts davon abhalten konnte, sich für uns zu entblößen und antastbar zu machen, damit wir ganz nahe bei Ihm sein können!

Und mit diesen Worten wünsche ich Euch allen ein gesegnetes, wundervolles und ja, auch heimeliges und friedliches Weihnachtsfest, bei dem Ihr alle mit Euren Lieben wohlig zusammenrückt und dieses Fest der Liebe genießt, denn nichts anderes ist es tatsächlich, ein Fest der unendlichen und entblößten Liebe Gottes zu uns Menschen!


Ich hab Euch lieb und Jesus auch,
Eure Mommy











Freitag, 16. Dezember 2016

Morgen Kinder wird's was geben ...

gänseblümchen  / pixelio.de


Ja hallihallo ... es gibt uns tatsächlich noch. Auch wenn das letzte Jahr rasend schnell vergangen ist und ich mal wieder erst in der Advents- bzw. Weihnachtszeit dazu komme, hier etwas zu schreiben. Vielleicht sollte ich den Blog umbenennen in Mommys Christmas thoughts!

Habt Ihr es denn überhaupt schon gemerkt, dass Advent ist und Weihnachten vor der Tür steht? Wer auch immer jetzt nein gesagt hat ... hahahaaa, außer Du kannst nachweisen, dass Dein Wohnort gerade nicht in, sagen wir mal, Mitteleuropa liegt.

Ja, es ist Advent und wie leicht würde es mir fallen, in diesen "Adventsjammer" mit einzustimmen und Euch von meinem Stress erzählen und meinen Aufgaben und dass mir noch so viele Geschenke fehlen und diese ganzen Weihnachtsfeiern überhaupt und so weiter und so fort.

Will ich aber nicht!

Nicht, weil wir uns als Eremiten auf eine einsame Insel zurückgezogen hätten, sondern einfach, weil ich es eben nicht will. Ich will mich nicht so stressen lassen und diese Wochen der Adventszeit in einem Zustand der Verzweiflung, Überforderung und Ruhelosigkeit befinden. Und das erfordert Gegenmaßnahmen, ohne einfach alles hinzuschmeißen.

Nachdem mich in letzter Zeit verschiedene Personen daraufhin angesprochen haben, dachte ich, es würde doch eigentlich auch gut in diesen kleinen Blog hier passen, mal wieder unsere "Adventszeit-Tradition" zu erwähnen.

Erinnert Ihr Euch, dass wir als Familie im Advent immer versuchen, in diesen Wochen den Fernseher auszulassen und stattdessen Zeit ganz gezielt miteinander zu verbringen? Habe ich von unserem Adventskalender erzählt, einer Schnur mit 24 Säckchen, die mit jeweils fünf Süßigkeiten gefüllt werden für unsere fünf Jungs? Und dass wir im Advent immer abends zum "Säckchen-Singen" zusammenkommen und das möglichst alle?

O ja, davon hatte ich schon erzählt und ja, ich habe auch gerade Euer Lachen gehört! Echt jetzt, sagt Ihr? Säckchen-Singen? Wobei die Betonung auf Säckchen liegt? Lacht Ihr nur, dieser Begriff stammt noch aus einer Zeit, vermute es muss kurz nach der Sintflut gewesen sein, als ich und meine Geschwister diesen Begriff prägten, einer Zeit, in der man das Wort Säckchen noch einfach in den Mund nehmen konnte, ohne dass es irgendetwas anstößiges zu bedeuten hatte. Ja, diese Zeit gab es einmal, da wurden nämlich andere besagte und belachte "Säckchen" noch nicht ständig in der Öffentlichkeit benannt. Da waren das eben einfach kleine Säcke, ohne irgendeine Verbindung zu einem Körperteil. Vielleicht übertreibe ich aber auch an dieser Stelle und mein testosterongeschwängertes Umfeld hat mich über's Ziel hinausschießen lassen? Wer weiß das schon? Lassen wir das Thema. ... Advent!

Was soll ich sagen, völlig überraschend hat dieses Jahr am 1. Advent die Adventszeit begonnen. Traf uns - wie so oft -  völlig unvorbereitet, so dass wir froh waren, dass unsere beiden Jüngsten, nunmehr 12 und 15 Jahre alt, wieder voller Begeisterung unseren Adventsschmuck vom Dachboden holten und großflächig in der Wohnung verteilten.

Auf einer Social Media Plattform habe ich den folgenden Spruch gelesen: Advent ist, wenn man das alte Gerümpel vom Dachboden holt und gleichmäßig in der Wohnung verteilt.

Da musste ich lachen, denn tatsächlich hat mich das auch an unseren Adventsschmuck erinnert, der doch deutlich in die Jahre gekommen ist. Alte lieb gewonnene Basteleien, die kaum noch zusammenhalten und als solche zu erkennen sind - wie Weihnachtsmänner ohne Wattebart, Sternengehänge im Ungleichgewicht, da einige fehlen, Glitzersterne mit nur noch wenigen vereinzelten Glitzerpünktchen etc. - wurden genauso wieder verwendet, wie Lichterketten, die einfach nicht mehr leuchten wollen. Aber was soll's, wenn es in meinem Jüngsten ein beglücktes Seufzen auslöst und er mit glänzenden Augen, die nicht mehr ganz so glanzvolle Pracht betrachtet? Dann nur her mit dem alten Gerümpel, das ist es mir allemal wert!

Letztes Jahr war es das erste Mal, dass unsere Großen brummelten und diese ganze Adventsgeschichte verweigern wollten. Mein Bester und ich haben dann darüber nachgedacht, ob es "Sinn machen würde", sie dazu zu zwingen?

So richtig sinnvoll fanden wir es nicht, aber sie einfach von hinnen nach dannen ziehen zu lassen, zumal sie alle noch unserem Dache weilen, das wollten wir dann auch nicht. Also haben wir uns mit den drei Großen zusammengesetzt und mit ihnen darüber gesprochen. Wir haben sie daran erinnert, wie sehr sie diese Zeit im Jahr geliebt haben, als sie noch jünger waren, und wie wichtig es ihnen war, dass die ganze Familie dabei zusammen war. Und wir haben sie gebeten, wenn schon nicht für sich selbst, doch aus Liebe zu ihren jüngeren Brüdern und als Zeichen, unsere Familienwerte zu respektieren, daran teilzunehmen, wenn sie im Hause sind. Natürlich, wenn sie ihre Termine und Treffen hatten, haben wir nicht darauf bestanden und der eine oder andere hatte dann doch ab und zu mal gefehlt, weil es einfach zeitlich bei sieben engagierten Personen schwierig ist, alle zusammen zu bekommen. Aber im Großen und Ganzen waren sie dann doch meistens dabei.

Aber aufgrund dieser vorjährigen Diskussion war ich gespannt, wie sie dieses Jahr damit umgehen würden. Und tatataaa, meine Jungs haben mich echt überrascht und mich fast zum Heulen gebracht, wenn ich denn der Typ zu schnellem Heulen wäre.

Am 1. Dezember haben wir gar nicht groß darüber gesprochen, dass ja nun unsere "Säckchen-Sing-Zeit" beginnen würde, wir haben nur erwähnt, dass um 18 Uhr Treffpunkt sei.

Der Kleine wuselte voller Begeisterung über unseren (ich gebe es gerne und ehrlich zu: kläglichen) Adventskranz herum und sprang sofort los, um seine großen Brüder aus dem ersten Stock zu holen, in dem sich der liebevoll "Jungen-WG" genannte Teil unseres Hauses befindet.

Wie sehr staunten wir, als dann tatsächlich alle fünf Jungs nach unten kamen und sich einer nach dem anderen ohne Beschwerde auf das Sofa und die Sessel fallen ließ. Und noch größere Augen machten wir, als dann tatsächlich eine heiße Diskussion entbrannte.

Und zwar begannen sie, darüber zu diskutieren, wer denn nun in diesem Jahr den Anfang machen würde. "Den Anfang machen" heißt, einer von Fünfen "darf" die Kerzen am Adventskranz anzünden, das erste Lied aussuchen, die erste - wenn im Adventskalender-Geschichten-Buch vorhanden - Bastelei vornehmen und das erste Säckchen zum Öffnen auswählen. Danach geht es dann immer reihum.

Ich saß völlig geplättet zwischen meinen "Männern" und lauschte mit offenem Mund, wie sich Nummer 3 und 4 darüber stritten, dass sie noch NIE die Ersten gewesen wären und doch bestimmt dieses Jahr auch mal dran wären. Der Jüngste jammerte, dass er doch aber wolle und er doch nun mal der Jüngste wäre und als der Älteste meinte, ihm wäre es egal, Hauptsache er wäre als Vierter dran, musste ich dann doch richtig lachen. Denn vor Jahren hatte er mal ausgerechnet, dass er, wenn er am vierten Tag das erste Mal dran wäre, auf jeden Fall am Heiligen Abend auch dran wäre!

Es hat mich echt zu Tränen gerührt, diese Selbstverständlichkeit, mit der sie dieses Jahr an diesem uns immer noch so wichtigen "Ritual" dabei sein wollten. Und ja, es ist ein Ritual oder besser gesagt, eine Tradition, aber es gehört zu unserer Familiengeschichte halt einfach dazu und ich genieße es jedes Jahr neu. Irgendwie schaffen wir so eine Art von "Zusammenkommen" wirklich immer nur in der Adventszeit in diesem regelmäßigen Selbstverständnis.

Und bitte, nur damit hier keine falschen Bilder entstehen in Euren Köpfen. Dieses "Säckchen-Singen" hat sicher immer etwas mit Advent zu tun und was es für uns bedeutet, dass wir die Ankunft unseres Heilandes Jesus feiern, aber wir haben in der Zwischenzeit auch gemerkt, dass aufgesetzte "besinnliche Feierlichkeit" nicht unsere authentische Ausdrucksform ist. Wir singen zwar immer gerne aus unserem mittlerweile in Einzelteile zerfallendem Weihnachtsliederbuch oder auch Lieder von Liedblättern, die unsere Großen mal bei einem vor 'zig Jahren stattgefundenem Krippenspiel erhalten haben, aber die Singerei ist auch manchmal einfach nur lustig und sorgt bisweilen für Heiterkeit.

Wenn unser Zweiter sich z. B. immer wieder dasselbe Lied wünscht, das von einem Stern in der Weihnachtsnacht handelt *1, einfach aus dem Grund, weil er sich vor Lachen bekringelt zwischen Vers 3 und 4, da es im letzten Satz von Vers 3 heißt: "wir bleiben hier", um dann im ersten Satz von Vers 4 mit "kehrn wir zurück" weiterzugehen. Da muss dann auch ich in der Zwischenzeit immer kichern an besagter Stelle. Oder wenn ich, als amtlich festgelegte Vorsängerin, bei einem der Lieder grundsätzlich zu tief anfange und an der tiefsten Stelle man eigentlich nur noch ein Vibrieren spürt, weil das tiefe Gebrumme der anwesenden Männlichkeiten im nicht mehr hörbaren Bereich stattfindet, dann sorgt auch das immer wieder für Heiterkeit. Genauso wie wenn der ehrbare Vater der Meute nicht müde wird, immer wieder den Wunsch zu äußern: "Morgen Kinder wird's was geben" *2 zu singen, wo wir doch dieses Lied "traditionell" immer nur ein einziges Mal in der Adventszeit singen, nämlich am 23.12. Alles seeeeehr besinnlich und würdevoll!

Aber damit noch nicht genug ... allgemeine Belustigung kommt nämlich auch dann auf, wenn ich beim Kauf der Adventszeit-Lektüre einen Griff in das "..." vollbracht habe und wir alle nur mit den Augen rollen über den Sinn bzw. Unsinn der Geschichte und anfangen darüber zu diskutieren, was der Autor damit wohl hätte zum Ausdruck bringen wollen, wenn überhaupt!

Alles in allem habe ich mich mittlerweile daran gewöhnt ... nein, eigentlich liebe ich es in der Zwischenzeit sogar ... dass es bei unserer Adventszeit-Besinnlichkeit eher fröhlich und manchmal sogar turbulent zugeht, wenn z. B. die Süßigkeiten einfach in die Runde geworfen werden und hin und her danach gegrapscht bzw. weitergeworfen wird. Und doch, es ist einfach herrlich, so zusammen sein zu können und die Zeit miteinander zu genießen.

An diesem ersten Adventsabend dieses Jahr konnte ich es dann tatsächlich kaum glauben, als mir bewusst wurde, dass wir alle sieben mindestens zwei Stunden zusammen saßen, miteinander gesungen, geredet und vor allem viel gelacht haben. Als ich das realisierte, war es es eben jener Moment, der mir vor Rührung den Hals hat eng werden lassen und ich plötzlich verstummt, meine "Mannen" einfach nur noch verliebt der Reihe nach angesehen habe. So könnte ich es ewig aushalten!

Eine liebe Freundin meinte vor kurzem, sie bewundere, dass wir das geschafft hätten, unsere Jungs auch jetzt in diesem erwachsenen Alter noch dazu zu bringen, an dieser Advents-Tradition teilzunehmen.

Ich muss mich dann verlegen am Kopf kratzen, denn ganz ehrlich, ich weiß nicht, ob WIR da irgendwas geschafft haben. Ob es an unseren 'besonders pflegeleichten' Jungs liegt? An uns? An den Umständen? An Gott? Ganz bestimmt an Gott! Aber generell haben wir wohl auch Anteil daran, haben wir doch von Ihm den Auftrag, unsere Jungs zu erziehen, erst erhalten. Aber ganz erhlich? Ich kann es nicht so wirklich erklären. Ich kann nicht mit Fakten belegen, was wir denn im Hinblick darauf 'richtig' gemacht hätten.

Eines, was meinem Mann und mir aber schon sehr bald bewusst geworden ist, und vielleicht liegt hier auch unser 'Geheimnis', ist, dass wir uns schon sehr früh in unserer Ehe gemeinsam darüber Gedanken gemacht haben, was wir als Familie für Werte haben bzw. haben wollen. Werte, die unser Fundament sind, wie der gemeinsame Glaube an unseren Gott und wie wir diesen leben wollen. Aber auch Werte, die ganz einfach unseren Alltag ausmachen. Wir haben sehr früh begonnen, eine uns ganz eigene Familienkultur zu entwickeln, nicht immer fanden das unsere 'Herkunftsfamilien' nachvollziehbar, aber es war uns wichtig, hier unseren eigenen Weg zu finden. Und vor allem, ganz wichtig war für uns auch immer, dass wir ständig darum gerungen haben, diese Werte gemeinsam zu entwickeln, dass wir als Ehepaar zusammen an einem Strang ziehen und Einheit haben, in dem was, wir uns wünschen und was wir tun.

Und für diese Werte galt und gilt es noch immer, durchaus auch dafür zu kämpfen, daran festzuhalten, sie sich nicht nehmen zu lassen, auch nicht durch die Pubertät hindurch. Wenn wir dabei liebevoll bleiben, nicht einfach lieblich lächelnd alles mit uns machen lassen, sondern in Liebe ganz klare Grenzen setzen und diese auch einhalten, unseren Kindern damit einen sicheren Rahmen bieten, dann ist es meiner Meinung nach auch möglich, diese Werte einzuhalten und darauf aufzubauen. Und was für ein Segen, wenn diese Werte auch noch durch den Freundeskreis oder die Gemeinde unterstützt werden, unsere Kinder die gleichen, uns wichtigen Inputs von Outside bekommen sozusagen.

Mein Bester und ich haben uns als Eltern auch immer darum bemüht, unsere Regeln nicht nur zu 'lehren', sondern auch zu 'leben', also authentisch zu sein. Wenn ich so darüber nachdenke ... ich glaube, das ist auch ein ganz wichtiger Punkt in unserem Elternsein. Wir haben nicht von unseren Kindern eingefordert, was wir selbst nicht zu halten bereit waren. Ob es sich dabei um ganz praktische Dinge wie Ausdrucksweise und -ton handelte oder wie wir z. B. ganz persönlich mit unseren eigenen 'Schwächen' umgehen. Es war und ist uns immer wichtig, zu Hause eine Atmosphäre der Offenheit, Liebe, Annahme und Ermutigung zu schaffen, auch wenn wir dabei durchaus auch einmal kritisch sein müssen. Gesunde Kritik ist an sich ja auch gar nichts Negatives und bedeutet auf gar keinen Fall Lieblosigkeit, im Gegenteil, weil meine Kinder mir wichtig sind, bin ich bereit, mich als Mutter auch durchaus mal unbeliebt zu machen bei ihnen. Aber niemals will ich dabei lieblos oder gar demoralisierend sein. Und doch passierte uns auch das, wie gut, dass wir als Christen erlebt haben, was Vergebung heißt und auch gelernt haben, um Verzeihung zu bitten und uns von unseren Kindern vergeben zu lassen.

So viel mal ... bin ein bisschen abgeschweift, tut mir leid! Ich werde mal aufhören an dieser Stelle, denn bald ist es wieder Zeit für unser heutiges 'Säckchen-Singen'.

Ich wünsche Euch und Euren Lieben von Herzen eine wundervolle und gesegnete Adventszeit! Viele besinnlich-lustige Momente und vor allem herrliche Gemeinschaft mit Euren Familien - immer mit dem Blick darauf, was das Wichtigste ist in all dem, was für Euch und uns Adventszeit-Kultur bedeutet, nämlich, dass Jesus, unser Heiland, als Mensch zur Erde kam, um uns freizusetzen!

Ich hab Euch lieb und Jesus auch,
Eure Mommy

Quellenangabe:
*1: Auszug aus dem Lied "Stern über Bethlehem", ein geistliches Weihnachtslied von Alfred Hans Zoller, 1964 geschrieben.
*2 "Morgen, Kinder, wird's was geben", geistliches Weihnachtslied von Karl Friedrich Splittegarb, 1795.

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Wie entstand Weihnachten?



Ja, is' denn heut' schon Weihnachten?

Was soll ich sagen ... in der Tat, es ist! Nach dieser langen, langen Pause hatte ich es mal wieder auf dem Herzen, hier etwas zu posten. Und wenn nicht zu Weihnachten, wann dann?

Mein Leben als 5-fach-Mutter ist nach wie vor turbulent. Und da ich seit dem Sommer begonnen habe, an drei Tagen in der Woche in unserem Gemeindebüro zu arbeiten, ist die Zeit meinem Empfinden nach noch schneller geworden. Oder liegt's am Alter? Den Gedanken schiebe ich mal ganz schnell wieder von mir.

Jetzt ist es also wieder Weihnachten, die Ferien haben begonnen, die Adventszeit liegt fast hinter uns und vieles hat sich verändert und doch ist auch einiges noch immer gleich. Voller Begeisterung hat sich heute unser Jüngster beim abendlichen Singen um den Adventskranz - the same procedure as every year - das Lied "Morgen Kinder wird's was geben" gewünscht und fröhlich neben mir gesungen, während die großen Brüder grinsend mitgegrummelt haben. Die Begeisterung der jüngeren Brüder kann doch immer noch anstecken.

Verändert hat sich, dass nicht mehr ich die Geschichte alleine vorlese, sondern sich die beiden Jüngsten - die so jung ja nun auch schon nicht mehr sind - darum rangeln und abwechselnd vorlesen wollen. Um nur zwei Beispiele zu nennen.

Was alles in diesem hinter uns liegenden Jahr geschehen ist, was uns beschäftigt, herausgefordert, erfreut und vorangebracht hat, all die Hochs und Tiefs, würde ich gerne, kann ich aber nicht aufzählen in diesem einen Post jetzt zu Weihnachten. Das würde den Rahmen sprengen ... aber vielleicht, ja, vielleicht komme ich an anderer Stelle mal wieder darauf zurück.

Etwas anderes möchte ich Euch gerne weitergeben. Vor ein paar Tagen habe ich eine Weihnachtsgeschichte im Internet entdeckt, die mich sehr berührt hat. Sie wirft "fiktiv" einen etwas anderen Blick auf die biblische Weihnachtsgeschichte. Berührt das Herz, ganz persönlich. Zumindest ich empfinde es so und deshalb werde ich sie Euch hier hereinkopieren und damit meine Weihnachtsgrüße für dieses Jahr "abrunden". Ich habe die Geschichte nicht geschrieben, eher "nacherzählt" ... ein wenig weggelassen, ein wenig hinzugefügt, aber im Großen und Ganzen so belassen, wie sie der Autor erzählen wollte.

Und vielleicht spricht sie den einen oder anderen von Euch ja auch und Ihr lasst Euch auch ganz neu durch den Kopf, den Verstand und das Herz gehen, was Weihnachten eigentlich für eine Bedeutung hat. Mich hat es auf jeden Fall neu erfasst.

Ich wünsche Euch nun an dieser Stelle ein wundervolles, gesegnetes und erfülltes Weihnachtsfest, an dem Ihr mit Euren Familien Zeit verbringt, die Gemeinschaft genießt, den Segen, in dem Ihr lebt, dankbar annehmt, und voller Erwartung und Zuversicht auf alles Neue, was Gott für Euch im Jahr 2016 vorbereitet hat, zugeht.

Seid gesegnet an diesem Tag vor Jesu "Geburtstag", der uns daran erinnert, dass Er als kleines Baby auf diese Welt kam, klein, arm, hilflos und ohne Würde und göttliche Attribute. Und doch ganz und gar Gott, in der Lage den Auftrag absolut perfekt zu erfüllen von Seinem ersten bis zum letzten Tag auf Erden.

Ich hab Euch lieb und Jesus auch,
Eure Mommy


"Wie entstand Weihnachten?" *1
Nacherzählt nach einer Geschichte von Matthias Mägde

Weihnachten fing eigentlich damit an, dass Gott – der Vater – einen Plan hatte! ER sah die ausweglose Lage, in der sich Seine Geschöpfe, die Menschen, befanden. Die Sünde nahm immer mehr überhand und die Kräfte des Bösen schienen sich fortwährend nur zu vermehren.

Er hatte es von Anfang an gewusst und Sein Plan bestand von Anbeginn der Zeit. Und nun war es soweit, ihn zu beginnen, und Er rief die gesamte Himmelwelt zusammen. Die himmlischen Trompeten wurden geblasen und der Thronsaal Gottes füllte sich mehr und mehr.

Voller Liebe betrachtet Gott Seine Himmelsbewohner, die – wie es ihre Art war – Seinem Ruf sofort gefolgt waren, und erhob sich dann, um ihnen Seinen Plan bekanntzugeben. Mit lauter Stimme, so dass es wirklich jeder der himmlischen Zuhörerschaft, selbst bis in den letzten Winkel des Thronsaales, hören konnte, stellte Er ihnen eine Frage:

"Ich habe einen Plan, wie ich den armen Erdenbewohnern, meinen Menschen, helfen werde. Doch nun frage ich: Wen von euch kann ich senden? Wer wird diese Aufgabe erfüllen? Wer möchte diesen Plan für mich ausführen?"

Durch die unzähligen Scharen von Engeln und Himmelswesen ging ein begeistertes Raunen und es gab dort nicht ein Wesen, das nicht gerne erwidert hätte: "Ja, ich will das machen!"

So hoben alle ihre Finger und erwiderten im Einklang: "HERR, hier bin ich, sende mich!"

Die Willigkeit seiner Untertanen rührte den Allmächtigen. Doch dann fuhr er fort, um zu beschreiben, was solch eine wichtige Aufgabe beinhalten würde. Er sagte zu Seinen geliebten Himmelsbewohnern: "Nun, um diesen Auftrag zu erfüllen, kann derjenige, der ihn ausführt, seine gewohnte Himmelsgestalt nicht behalten."

Darüber wurde ein Teil der Engel bestürzt. Hier und da sank ein Finger, der eben noch seine Bereitwilligkeit gezeigt hatte, und die Begeisterung verschwand von ihren Gesichtern. – "Was sollte das wohl heißen, seine Himmelsgestalt zu verlieren?" Die Himmelsbewohner sahen sich an und zuckten mit ihren Flügeln, aber keiner wusste, was der Schöpfer damit meinen könnte.

Der Vater aller Väter erklärte weiter, dass es bedeuten würde, dass der „Beauftragte“ als kleines Baby, in dem beschränkten Körper eines Menschen, geboren werden müsste.

Daraufhin überdachten weitere Engel die Möglichkeit solch einer Sendung und ließen, je mehr sie sich der Schwierigkeit bewusst wurden, ihre zuvor ausgestreckten Finger niedersinken.

Doch es ging noch weiter!

Erneut erklang die warme, aber dennoch sehr nachdrückliche Stimme des Vaters im Himmel.

"Wer meinen Plan ausführt, muss also allem entsagen, was er hier oben, bei mir, genießt. Seine unausschöpflichen Kräfte, seine würdige Stellung, ja sogar sein unaufhörliches Glücksgefühl wird ihm dabei verloren gehen!"

Mittlerweile war auch der letzte erhobene Finger gesunken und man sah den Himmelsbewohnern eine nicht geringe Besorgnis an. Denn sie wussten nur zu gut, das die Worte ihres Gottes einen großen Ernst enthielten. Hier wurde etwas enorm Schweres abverlangt. Dies sollte gewiss kein "leichtes Spiel" werden!

Es vergingen einige Minuten und unter der Engelswelt wurde es unruhig und hier und da wurden Fragen laut: "Ja, wer kann das erfüllen? Wer von uns ist dazu fähig, alles Himmlische für ein beängstigendes Dasein, in der sichtbaren Menschenwelt, einzutauschen? Ja, wie kann man, ohne die uns gewohnten, wunderbaren, himmlischen Fähigkeiten so etwas vollbringen?"

Nun trat des Liebling des Himmels vor Seinen Vater. Mit entschlossener Freudigkeit erwiderte er: "Vater, sende mich! Ich will das tun!"

Ganz unverhohlen konnten alle Augen ein Lächeln auf dem Antlitz des Vaters erkennen. Doch dieses Lächeln wich sehr schnell, als Er Seinem Sohn mit ernster Stimme erwiderte: "Aber das ist noch nicht alles, es wird nicht ausreichen, dass du den Himmel verlassen musst, um in einem Stall geboren zu werden, du wirst auch für die Menschheit leiden müssen."

Auch auf Jesu Gesicht wurde nun eine Veränderung sichtbar. Seine freudige Begeisterung wollte sich trüben. Konnte Er begreifen, was Leiden beinhaltete, was es für Ihn bedeuten würde? Trotzdem blieb Er dabei und wiederholte seinen Entschluss: "Vater, sende mich! Ich will das tun!"

Anstatt, dass das gesamte Himmelspublikum nun anfing zu jubeln, entstand ein betretenes Schweigen, welches die Spannung jenes Augenblicks noch vermehrte. Ohne es auszusprechen, kam die Frage in den Gedanken auf: "Ja, konnte der Favorit des Himmels es wirklich schaffen?"

Mit noch mehr Ernst wurde die Stille von den erneuten Worten Gottes erschüttert: "Mein lieber Sohn, das alles ist aber nicht das Schlimmste. Das wirklich Schwerste kommt noch! Du wirst eine kurze Zeit die Last der Sünde der ganzen Menschheit auf dich nehmen müssen. Du musst etwas tragen, was für einen Menschen unerträglich ist. Und genau in diesem Moment muss ich dich ganz alleine lassen. Denn dabei wird eine Trennung zwischen dir und mir entstehen!"

Als Gottes Sohn diese Worte hörte, hielt er den Atem an. "Wie sollte das zugehen?" Noch nie zuvor war der himmlische Jesus vom Vater getrennt, die Gemeinschaft mit IHM war doch der Sinn, der Inhalt, das eigentliche Glück Seines bisherigen Lebens. Ja, der Vater selbst war Ihm lieber als alles, selbst als der Himmel mit all seinen wunderbaren Möglichkeiten! Wie konnte Er also auch nur eine Minute ohne Seine Gemeinschaft existieren?

Nach ein paar Minuten Regungslosigkeit kam erneut die bekannte Antwort mit noch größerer Entschlossenheit: "Vater bitte, sende mich! Ich will es tun!"

Gottvater kannte Seinen Liebling. Er wusste, das Er es schaffen würde. Trotzdem fragte Er ihn noch ein letzte Mal:

"Mein lieber Sohn, ich bin mir nicht sicher, ob du wirklich verstehen kannst, was da auf dich zukommt? - Mit welch einer Kraft, denkst du, wirst du diese schwerste Aufgabe ausführen, gerade dann, wenn du ganz allein, von mir verlassen, an einem Kreuz leiden wirst?

Da sprudelte es unaufhaltsam über Jesu Lippen:

"Vater, das ist meine unhaltbare bedingungslose Liebe zu den Menschen, die Du selbst in mich hineingelegt hast. Ich kann gar nicht anders, ich muss die Schuld der Menschen auf mich nehmen, um sie von dem Bösen zu erlösen, damit auch sie Gemeinschaft mit Dir haben können, denn ich liebe sie doch so, so sehr!"

Quellenangabe:
*1 "Wie entstand Weihnachten ?" von Matthias Mägde - 
http://www-weihnachten.de/weihnachtsgeschichten/christliche-weihnachtsgeschichte.htm






Montag, 23. Februar 2015

Ein wunderbarer AUGENblick!

Stellt Euch vor, Ihr sitzt in einem stockdunklem Raum und erlebt trotzdem einen wunderbaren Augenblick!


Bestimmt habt Ihr auch schon davon gehört, dass es in der Zwischenzeit immer mehr solcher Restaurants gibt, in denen man im Dunkeln essen kann? Im Stockdunklen, wohlgemerkt! Und tja, was soll ich sagen, ich bin immer offen für Neues und neugierig, wenn es darum geht,  meinen Horizont zu erweitern bzw. meine weniger geschulten Sinne zu testen.

Da mein Bester aber so gar nichts von meinem Ansinnen hielt, ruhte der Wunsch nach ebenselbigem Erlebnis einige Jahre, bis ich ... ja bis ich endlich eine kleine Runde allerliebster Freundinnen um mich scharen konnte, die meinen Wunsch teilten.

Um genau zu sein besteht unsere kleine Runde aus genau vier Frauen unterschiedlichen Alters aus unserer Gemeinde, die sich in der Regel einmal in der Woche zum gemeinsamen Walken treffen. Okay, ich gestehe, die anderen drei Frauen befinden sich ziemlich im gleichen Alter - sind alle jünger als ich - aber sie haben mir mein ERHEBLICH höheres Alter noch nie anmerken lassen.


Was uns eint ist unser Muttersein, unsere Liebe zu Gott, zu unserer Gemeinde, zueinander, unsere Freude an Gemeinschaft und nicht zuletzt unser Humor!

Also haben wir einen Termin gesucht - was gar nicht so einfach ist - und haben es gewagt, gemeinsam mit einem Auto ins nahe liegende Ausland zu fahren, um dort so ein 'Dunkel-Restaurant' aufzusuchen.

Schon die Fahrt dahin war ein Erlebnis. Versucht es Euch vorzustellen, vier Frauen in einem Auto, eine Strecke bewältigend, die für alle unbekannt war. Ein Navigationsgerät, das freundlich aber unverständlich Anweisungen von sich gab und umgehend für einen ersten Heiterkeitsausbruch sorgte. Wie, bitte schön, kann man nicht in lautes Lachen ausbrechen, wenn man versucht, gemeinsam auf der linken Spur einzuatmen???

Ich schwöre - und mein Gehör ist laut Ohrenarzt hervorragend - dass die freundliche Dame im kleinen Kästchen mehrmals forderte:

"In 100 m auf der linken Spur einATMEN!"


Die 'Marschrichtung' des Abend war also schon festgelegt. Lachen bis zum Bauchwehkriegen!

Nach mehrmaligen Abbiegen, um den Block fahren, Spurwechseln und "Wo gehts jetzt lang?" überraschte uns unsere Fahrerin mit einem rasanten und zentimetergenauen Einparkvorgang. Ehrlich jetzt, das muss man ihr lassen, mir stand der Mund weit offen, so prüfungstauglich vollzog sie eine perfekte 3-Schritt-Parkierung und das sogar auf der linken Straßenseite entgegen der Fahrtrichtung. Ich persönlich hätte mein Auto wahrscheinlich nicht mal mit quergestellten Rädern in die Parklücke bekommen.

Und wer behauptet, in drei Schritten einparken ginge gar nicht, den verweise ich auf einen Bericht von Paul Rojas an der Freien Universität Berlin, der aufzeigt, dass dies sogar in zwei Schritten möglich ist. ;) *1

Wir packten also unsere Siebensachen - doch immer wieder erstaunlich, wie viel Haushalt eine Mutter so in einer Handtasche unterbringt und mit sich herumschleppt, oder? - und liefen wieder zurück um ein paar Ecken und betraten den Eingangsbereich des Restaurants.

Zuerst wurden wir aufgefordert, uns unserer Handtaschen, Mäntel, Jacken - und ja, sogar jeglicher Uhren mit Leuchtziffern und Smartphones zu entledigen - und alles in die eigens dafür vorgesehenen Schließfächer zu sperren. Komisches Gefühl, so ganz ohne Handtäschchen unterwegs zu sein, aber es machte ja Sinn. Ertappte ich mich nicht tatsächlich im Laufe des abends immer wieder einmal dabei, wie ich neben mich Richtung Boden langte, um zu 'sehen' ob meine Handtasche noch da wäre? Interessant, gell? Kennt Ihr das auch? So konditionierte Vorgänge, die ganz automatisch erfolgen?

Dann begann das aufregende Aussuchen des Gerichtes. Und wie so oft, wenn Frauen eine Entscheidung treffen wollen. Zu viele Möglichkeiten machen dies halt schwierig -> wer die Wahl hat, hat nun mal die Qual. Dies alles passierte noch im Hellen, bevor man das eigentliche Restaurant betreten durfte. Da die aufgelisteten Gerichte einem schon das Wasser im Mund zusammen laufen ließen, entschieden sich zwei von uns für ein festgelegtes Hauptgericht. Wir zwei anderen wählten die totale Herausforderung, indem wir das Menue Surprise, also das Überraschungsmenü bestellten.


Und schon war es soweit, wir standen aufgeregt schnatternd am Eingang und warteten auf 'unsere' Betreuerin für diesen Abend. Schon vorher war uns bekannt, dass die Bedienungen in diesem Restaurant Menschen mit Sehbehinderung oder Blinde sind. So auch unsere Bedienung. Sie wurde uns mit Vornamen vorgestellt und bat uns, uns in einer Reihe hinter ihr aufzustellen und jeweils die Hände auf die Schultern der Vorderfrau zu legen und dann ging es im Gänsemarsch um ein paar Ecken und durch einen Vorhang in den Gastraum.

Ich weiß nicht, ob ich mich getäuscht habe, aber ich meine mich zu erinnern, dass über dem Raum eine andächtige Stille lag. Allenfalls unterbrochen von leisem Klirren durch Gläser und Besteck und geflüsterten Unterhaltungen.

Wir folgten also auch plötzlich verstummt in erwartungsvoller Stille unserer Bedienung bis sie uns an einen Tisch und jede Einzelne auf den ihr zugewiesenen Stuhl platziert hatte. Danach nahm sie die Bestellung unserer Getränke auf, welche sie für das erste Mal auch in unsere Gläser einschenkte. Bei allen weiteren, erklärte sie uns, wären wir selbständig gefordert, unsere Gläser aus den kleinen Flaschen zu befüllen.

Habt Ihr Euch jemals Gedanken darüber gemacht, wie das zu bewerkstelligen ist? Ich bin davon überzeugt, dass unsere Bedienung ein 'geschultes' Ohr hatte und genau wusste, wann das Glas voll 'klingt'. Unsere Ohren waren natürlich nicht derart trainiert, was es unumgänglich machte, während des Einschenkens einen Finger ins Glas zu stecken, um zu 'spüren', wann das Glas denn nun voll sei.

Gespannt warteten wir also auf unser Essen. Am Anfang war es eine völlige Überreizung der Seh- und Hörsinne, zumindest für mich hat es sich so angefühlt. Irgendwie konnte ich nicht anders, wie mir meine Augen als Objektive einer Kamera vorzustellen, die ständig hin- und her-zoomten, um sich scharf zu stellen. Alleine die Vorstellung, meine Augenlinsen würde sich weiten und wieder zusammenziehen, nur um irgendein bisschen Licht zu erfassen, das es ihnen erlauben würde, es in ein Bild umzuwandeln, ließ mich schmunzeln.


Ich drehte und wendete meinen Kopf in alle Richtungen, versuchte, hin- und herzusehen und doch gab es einfach NICHTS zu sehen. So absolute Dunkelheit kennt unser Auge und unser Gehirn wohl kaum. Denn selbst in unseren Schlafzimmern ist doch meistens irgendwo ein Lichteinfall. Erst so nach und nach realisierte mein Sehnerv dann wohl: 'time out', und meine Ohren begannen, sich aufzurichten. ;)


Musste dabei unweigerlich an einen Sketch von Otto denken - die älteren unter Euch Lesern können sich vielleicht noch an 'Der Menschliche Körper' von ihm erinnern. Ich konnte mir in dem Moment auf jeden Fall lebhaft den Austausch meiner inneren Organe vorstellen:

"Auge an Großhirn, Auge an Großhirn: Ich kann nix seeeeehn! Großhirn an Auge, Großhirn an Auge: Mecker hier nicht rum und reg dich ab, es gibt grad nix zu sehen. Mach mal Pause und sei still! Großhirn an Ohr, Großhirn an Ohr: Aufwachen! Du bist an der Reihe, und streng Dich ja an, sonst fliegst Du raus, Ooooohr!" :D

Am Anfang waren wir doch sehr bemüht, uns der ruhigen Umgebung anzupassen. Aber, was soll ich sagen, mit der Zeit machte sich ein ungewohntes Freiheitsgefühl in uns breit. Ein Gefühl von: Was soll's, es sieht mich doch eh keiner! Wir wurden mutiger und unterhielten uns frei von der Leber weg. Zwischendurch lauschten wir neugierig auf die Geräusche um uns herum. Aber wie gesagt, es wirkte alles seeeehr ruhig. Und dann wurde schon die Vorspeise serviert.

Da die für uns alle 'Surprise' war, tasteten wir uns erst einmal vorsichtig an den Tellerrand heran und sehr schnell wurde uns klar, hierbei handelte es sich um Salat mit noch was dabei -> Lachs. Was sich als tückisch erwies. Ihr kennt das auch, oder? Wenn man mit den Fingern am Fisch war, dann kann man das noch tagelang riechen. Und wir waren intensiv AM Fisch mit unseren Fingern.



Ab dem Moment, zumindest meinen empfindlichen Geruchsnerven nach, umspielte jeder weitere Gang ein Hauch von Fisch.

Frohgemut hatten wir also unser Essen ertastet und begannen, fröhlich mit Gabel und Messer zu hantieren. Wir hielten uns richtig für Könner bis ... ja, bis sich die Teller zunehmend leerten. War da noch was auf dem Teller oder war man schon fertig? Manchmal führte man erwartungsvoll die Gabel an den Mund, nur um dann festzustellen, dass man keins der Blättchen mehr erwischt hatte. Meine liebe Sitznachbarin äußerte sich enttäuscht darüber, dass ihr Salat schon leer sei, während wir anderen noch fröhlich auf unseren Tellern herumkratzten, immer wieder mal die Finger zur Hilfe nahmen und jedes noch so kleine Stückchen aufsammelten, um dann in Gelächter auszubrechen, als sie plötzlich entdeckte: "Hey, ich hab ja doch noch Salat! Neben meinem Teller liegt die andere Hälfte!" :P

Ich war mir sicher, auch im dunklen Raum um uns herum an der einen oder anderen Stelle Gekicher gehört zu haben.

Die Stimmung an unserem Tisch wurde immer lockerer und wir begannen, uns gegenseitig lustige Begebenheiten aus unserer Vergangenheit zu erzählen. Wer kennt das nicht? Jeder von uns hat doch in seinem Leben schon so Situationen in einem Restaurant erlebt, die einem in dem Moment vielleicht furchtbar peinlich waren, aber hinterher immer mal für einen Lacher gut sind, oder?

Mittlerweile störte uns auch in keinster Weise mehr, dass man uns recht deutlich bis in jede Ecke des Raumes hören konnte. Interessanterweise drehten wir immer die Köpfe in die Richtung, in der wir eine Person ansprachen. Das fand ich lustig, weil sehen konnten wir ja nichts. Und trotzdem, wenn ich die Freundin rechts gegenüber, neben oder vor mir ansprach oder ihr zuhörte, drehte ich ihr auch immer den Kopf zu.

Nach unserer Vorspeise freuten wir uns auf den Hauptgang. Für mich und meine Sitznachbarin bedeutete dies ja, überhaupt erstmal zu erkennen, was wir auf dem Teller hätten. Das war echt spannend und erforderte wieder einiges an Fingerspitzengefühl! *ggg*

Sehr schnell erkannten wir, dass es sich bei dem Klops in der Mitte um ein Stück Fleisch handeln musste. Rundherum waren dann für uns erstmal nicht erkennbare Beilagen angeordnet. Wir waren uns ziemlich schnell sicher, dass es sich dabei um Kartoffeln und irgendwelches Gemüse handelte. Das Fleisch hielten wir für Rindfleisch, weil es doch eher faserig war.

Aber, Ihr Lieben, wenn Ihr denkt, dass es ziemlich einfach sei, im Dunkeln Fleisch zu essen ... hah, weit gefehlt. Ich kann Euch sagen, man schnibbelt fröhlich ein 'Stückchen' seines Fleischklopses ab und führt es noch galant an den Mund, um dann festzustellen, wenn man es im Mund hat, dass man wohl etwas zu gewagt mit der Größe hantiert hatte. Wenn man nämlich den ganzen Mund mit einem riesigen Stück Fleisch gefüllt hat, erkennt man schnell den Unterschied zwischen Geflügel und Rind. Das macht die weitere Konversation doch erstmal deutlich schwieriger.

Wir kämpften uns also durch unser Essen und schmeckten die Unterschiede der Beilagen und des Fleisches irgendwie viel deutlicher. Man war ja gezwungenermaßen viel mehr auf den Geschmack und die Konsistenz konzentriert, weil in dem Fall das 'Auge ja nicht mitessen' konnte.

Mittlerweile ließ es sich auch nicht mehr vermeiden, sein Glas eigenhändig erneut zu füllen. Vielleicht könnt Ihr Euch ein wenig vorstellen, was es für einen Einfluss auf das Getränk hat, wenn man nach Fisch, Fleisch und Gemüse schmeckende Finger hineinstreckt. Aber was soll's, lustig war's trotzdem.

Gläsergeklirre und deutliche Kippgeräusche rechts von mir, ließen mich meine Sitznachbarin scherzhaft laut ermahnen, doch keine Sauerei zu machen. Woraufhin die Dame am Nachbartisch anfing zu lachen und mit in meine Tirade einfiel, um davon abzulenken, dass es ihr Glas gewesen war. Was diesmal zu fröhlichem Gelächter an beiden Tischen führte, zumal der Nebentisch auch nur mit Frauen besetzt zu sein schien. Die Stimmen ließen darauf schließen und nett haben sie sich auch angehört, obwohl wir uns wohl nie im Leben wieder'sehen' werden! :D

Als dritten Gang gab es dann ein Dessert, was zu unserer großen Belustigung wieder 'Surprise' für alle war. Jede von uns bekam einen Teller mit einem Schüsselchen darauf vorgestellt. Unsere freundliche Bedienung wies uns darauf hin, dass auch auf dem Teller Essbares zu finden sei. Aber zuerst einmal machten wir uns mit kleinen Löffeln über die Schüsselchen her, ohne auch nur im entferntesten erkennen zu können, um was es sich dabei handelte. Irgendetwas Cremeartiges, mit unklarem Geschmack ... ich hatte irgendwie den Eindruck, in dem Dessert müsse auch Fisch enthalten sein. ;) Am Rand lagen dann noch Obststücke, die ebenso schnell verschwanden.

Und als meine Freundin mir gegenüber, verkündete, dass am unteren linken Rand auch noch Marzipan zu finden sei, machten wir uns alle Vier auch noch fröhlich darüber her. Mir fiel dabei nur auf, dass links neben mir kurz unterdrücktes Gelächter zu hören gewesen war, was ich irgendwie unserer Bedienung zuordnete vom Klang her.

Hier sei auch noch angemerkt, dass unsere Bedienung wirklich herausragend agiert hat. Manche sehende 'Kollegin' von ihr, wäre selbst bei Licht nicht so aufmerksam und schnell in der Reaktion wie sie gewesen. Wirklich ein Riesenkompliment an sie! Das war schon eine Leistung, trotz des Lärmpegels an unserem Tisch.

Sie erkannte dann natürlich auch, als wir zum Ende kamen und fragte, ob sie abräumen dürfe. Auf unser Bejahen hin, begann sie damit und erklärte uns mit fröhlicher Stimme nebenbei, dass wir ihr das Abräumen doch um einiges erschwert hätten, da wir das Marzipan, das nur dazu gedacht war, die Schüsselchen auf den Tellern zu FIXIEREN, aufgefuttert hätten.


Oh, ich kann Euch sagen, wir lagen unter dem Tisch vor Lachen. Zuerst herrschte natürlich erschrockene und peinliche Stille, als sie uns darauf hingewiesen hatte, aber dann prustete es aus uns heraus, als sie meinte, sie würde das schon schaffen und selber lachte. Ehrlich, Ihr Lieben, das war der Moment, an dem sich der Muskelkater vom Lachen schon abzeichnete und uns die Tränen aus den ansonsten arbeitslosen Augen liefen.

Es war zum Wegschmeißen und wir hatten wohl auch den Punkt erreicht, an dem man irgendwie alles nur noch lustig findet. Wir waren nun mal die lautstärkste Fraktion des Abends ... irgendwie hätte man den Eindruck haben können, das Restaurant wäre leer gewesen oder alle anderen hätten es interessanter gefunden, uns zu belauschen, als sich selbst zu unterhalten. Wir boten auf jeden Fall eine Vier-Women-Show bzw. -Listening! :)

Zum krönenden Abschluss bekamen wir dann eine Schale mit vier warmen, mit Duftwasser getränkten Handtüchern, um uns zu reinigen. Hmmmmmm, das war vielleicht angenehm. All die Gerüche und Essensreste von den Fingern zu waschen. Die Tücher dufteten so himmlisch, dass ich es nicht lassen konnte, mir auch das ganze Gesicht damit abzureiben. So schön warm, so duftig, seeeehr angenehm. Meine Sitznachbarin seufzte leise und erklärte, sie fände das warme Tuch am Ausschnitt so angenehm. Während ich darauf hinwies, dass ich mich doch schon mal auf die Schnelle abeschminkt hätte damit und nun nur noch Zähne putzen müsse, um bettfertig zu sein.

Das Gelächter nahm wirklich kein Ende und wir haben die Zeit genossen. Als meine Freundin neben mir zum krönenden Abschluss meinte: "Kommt Mädels, mach'ma n'Selfie!" Hielt uns nichts mehr und wir brachen zum wiederholten Mal in Gelächter aus, bis uns die Tränen herabliefen und wir kaum noch Luft bekamen vor Lachen.

Ein Selfie! Ihr wisst, was das ist, oder? Für die Unkundigen unter Euch: Mit einem Selfie ist ein Selbstbildnis gemeint, das man mit einem Smartphone von sich und den Menschen um sich herum macht. Man hält die Kamera am ausgestreckten Arm von sich entfernt, meistens von schräg oben, alle grinsen fröhlich oder gern auch mal dämlich und dann wird geknipst. In der Regel stellt man diese Selfies dann auf irgendwelchen Social Media Plattformen aller Welt zur Schau.

Habt Ihr die Ironie daran erkannt? Ein Selfie in einem stockdunklen Raum? Nur zur Erklärung für die Letzten, die es noch nicht verstanden hatten. ;)





Da unsere ganze Esser- und Lacherei den Abend doch ziemlich in die Länge gezogen hatte und am nächsten Tag ein normaler Werktag auf uns wartete, war es leider bald danach an der Zeit, den Heimweg anzutreten. Unsere aufmerksame Bedienung holte uns am Tisch ab und es ging wieder im Gänsemarsch hinter ihr her, diesmal vom Dunklen hinein ins Licht, was uns erstmal gehörig zum Blinzeln brachte.

Im Vorraum beglichen wir dann noch immer unter fröhlichem Gekichere unsere Rechnung. Mir fiel noch ein Ehepaar auf, das kurz vor uns in das Restaurant gekommen war und zur selben Zeit wieder ging. Die zwei warfen uns unauffällig prüfende Blicke zu, bei denen ich den Eindruck bekam, sie würden versuchen, herauszufinden, wer von uns im Dunklen, was von sich gegeben hätte.

Die freundliche junge Frau am Empfang fragte uns noch, ob wir den Abend genossen hätten. Als wir ihr antworteten, wir hätten es doch sehr lustig gehabt, lachte sie und meinte, das hätte man deutlich bis außen hören können. In dem Moment vielleicht wieder ein wenig peinlich ... aber Ihr wisst schon, kann zukünftig auch gut als Lacher wiederverwendet werden. ;)

Völlig gesättigt und irgendwie auch erschöpft von diesen vielfältigen Sinneswahrnehmungen und natürlich auch dem Gelächter, saßen wir auf dem Heimweg im Auto. Immer wieder mal kam ein Kichern hoch, wenn man an die eine oder andere Situation des Abends dachte, oder wir erneut zum Einatmen aufgefordert wurden. Ein Gefühl von 'Schade, dass es vorbei ist!' machte sich breit.

Denn alles in allem war es einfach ein wunderschöner Abend gewesen, den wir Vier so sehr genossen haben. Kennt Ihr dieses Gefühl auch, das sich einstellt, wenn man viel und angenehm gelacht hat? Wenn man wie angefüllt, aber auch irgendwie gesättigt ist mit guter Laune? So wohltuend und angenehm. Man hat das Gefühl, mal wieder richtig durchatmen zu können, so ein Abend hat etwas Befreiendes an sich. Zumindest ging es mir so und ich glaube, meinen Freundinnen auch.

Und hey, vielleicht motiviert es Euch ja auch, mal wieder, einen Abend mit Freundinnen oder Freunden zu verbringen. Einen Abend, an dem Ihr einfach die Freiheit habt, Ihr selbst zu sein und Lachen zu können in Gemeinschaft von Menschen, bei denen Ihr Euch sicher fühlt, die Euch wertschätzen, lieben und annehmen, so wie Ihr seid. Gemeinschaft, die einfach wohltuend ist und auferbaut. Ganz im Sinne der Jahreslosung von diesem Jahr:





Und solltet Ihr gerade niemand finden, der Zeit hat, mit Euch im Dunkeln Essen zu gehen ... meldet Euch, wir Vier kommen mit Sicherheit gerne wieder mit! Für uns ist auf jeden Fall klar, das wiederholen wir in der einen oder anderen Form. :D

Seid gesegnet Ihr Lieben mit der annehmenden und wohltuenden Liebe unseres Vaters im Himmel, der will, dass es uns wohlergeht und wir in Liebe und Annahme miteinander das Leben genießen!

Ich hab Euch lieb und Jesus auch,
Eure Mommy

Quellenangaben:
*1: http://www.inf.fu-berlin.de/inst/ag-ki/rojas_home/documents/tutorials/Weltformel.pdf










Mittwoch, 31. Dezember 2014

Zwischen den Jahren ...



Ihr Lieben, kennt Ihr diesen Ausdruck 'Zwischen den Jahren'?

Also ich kenne ihn, wusste aber nie so recht, was ich damit anfangen soll. Was bedeutet denn bitte schön zwischen den Jahren? Meine früher kindlichen Gedanken dazu waren, dass man den Moment meint, zwischen dem Altjahresabend 23.59 Uhr und den Neujahrsmorgen 0 Uhr. Eben, gar kein wirklicher Moment, nur eine Sekunde.

Jetzt sitze ich hier, 'zwischen den Jahren' und überbrücke ein bisschen Zeit an diesem Altjahresabendtag. Mein Bester ist noch mal mit dem Jüngsten zum Einkaufen gefahren, da dieser sein an Weihnachten erhaltenes Geld direkt wieder in die Wirtschaft einbringen möchte.

Zwei meiner Großen sind zum Einkaufen gefahren, da sie eine eigene Sylvesterfeier veranstalten und noch diverse Utensilien benötigen. Mein Zweiter richtet ein neues Spielgerät ein und mein Vierter hat sich auf sein Zimmer verkrümelt.

Was, frage ich Euch, sollte ich also in diesem ruhigen Moment anstellen? Das abendlich geplante Fondue vorzubereiten, dazu ist es einfach noch zu früh. Aufgeräumt ist weitestgehend noch von Weihnachten her. Zu erledigen gibt es heute ansonsten nix mehr. Also liegt es doch nahe, dass ich meine Zeit nutze, um mal wieder ein wenig zu schreiben - komm ja sonst nicht dazu.

Und wie ich so meine Gedanken schweifen lasse, fällt mir ebendieser Ausdruck wieder ein: Zwischen den Jahren ... und nach wie vor ergab er keinen Sinn für mich.

Jahaaa, aber heutzutage gibt es ja so schlaue Suchmaschinen und deswegen habe ich einfach mal ein bisschen herumgestöbert in den tiefen Weiten des Internets und fand tatsächlich eine zwar typisch menschliche, aber auch nachvollziehbare Erklärung für diesen Ausspruch.

Und zwar hängt es damit zusammen, dass Papst Gregor XIII um 1500 herum den bis dahin 1500 Jahre lang gültigen Julianischen Kalender mit dem Gregorianischen ersetzte. Die beiden Kalender waren nicht synchron, was bedeutete, dass es unterschiedliche 'Neujahrstage' gab. Da die Protestanten sich immer noch an den Julianischen hielten und Katholiken den Gregorianischen angenommen hatten, gab es zwischen den beiden 'Neujahrstagen' eben die Tage 'Zwischen den Jahren'. *1



Fand ich interessant und hat mir zumindest diesen Ausdruck erklärt. Einher gingen mit diesem 'zwischen den Jahren' allerdings auch wieder einige Bräuche und abergläubische Verhaltensweisen, die immer mit der entsprechenden Furcht vor Strafe bei Missachtung einhergingen. Darauf will ich aber jetzt gar nicht weiter eingehen.

Letztendlich hat 'zwischen den Jahren' aber auch bedeutet, ein wenig ruhig zu halten. Unter anderem nicht zu Waschen, Nähen, Staubzuwischen etc. Die abergläubischen Hintergründe sind natürlich idiotisch, aber grundsätzlich finde ich den Gedanken, eine Zeitlang einfach mal alle Fünfe gerade sein zu lassen - so haushaltstechnisch gesehen - richtig gut.

Ein weiterer Brauch war, dass man Freunde und Verwandte besucht hat in dieser Zeit. Ein Brauch, der ja bis heute für die Weihnachtszeit Gültigkeit hat. Obwohl das wohl eher mit der Ferien- und damit verbundenen freien Zeit, denn mit Brauchtum zu tun hat.

Zwischen den Jahren halten wir also still, genießen die freie Zeit und die Gemeinschaft als Familie. Das heißt, dass wir z. B. heute früh - eher Mittag - alle miteinander gefrühstückt haben. Ist mittlerweile doch seltener der Fall, dass wir zu Siebt am Tisch sitzen.



Heute war wieder mal so ein Moment und spätestens nach 15 Minuten fängt es an, ein wenig mühsam zu werden. Die Jungs streben nach erfolgter Nahrungsaufnahme nämlich immer sehr schnell danach, den Tisch wieder zu verlassen, weil sie DRINGEND Zähneputzen müssen. Die Gesundheitspflege stellten wir aber heute mal hintenan und baten sie, noch am Tisch zu bleiben. Und was soll ich sagen, wir hatten noch eine richtig schöne Zeit mit unseren Jungs.

Unter anderem haben wir diskutiert über Gravitation und Rotation der Erde und dies hätte sicher noch zu unterschiedlichen Luftdruckgebieten und Detonationswellen führen können. Gell, da staunt Ihr! Was wir für wissenschaftliche und tiefgründige Gespräche führen. Wir kamen einfach darauf, weil sich unserem Vierten die Frage stellte, warum die Stängel an den Feuerwerksraketen einem nicht direkt auf den Kopf fallen, wenn sie explodiert sind.



Unser Vierter war der Meinung, die Stängel würden einfach ein Weilchen 'oben' bleiben, also irgendwann herunterkommen, wenn man den Schauplatz des Geschehens verlassen hätte. Mein Bester meinte, dies unterstützend, sicherlich würden die Stängelchen am Rande der Stratosphäre ein kleines Stelldichein genießen, bis die Erdanziehungskraft sie wieder herunterzöge.

Mein Beitrag bestand darin, dass zwischen dem Moment des Abfeuerns und des wieder Herunterfallens sich die Erde einfach weitergedreht hätte und der Stängel deshalb an einem anderen Ort herunterkäme.

Was unseren Ältesten auf den Plan brachte, der uns erklärte, dass die Atmosphäre sich mitdrehen würde, dies also auf keinen Fall so hinhauen könnte. Weshalb wir von Feuerwerksstängeln abdrifteten zu Fragen, warum und ob sich die Erdrotation auch auf die Fluglänge von Fernflügen auswirken würde und so weiter und so fort.

Alles in allem hatten wir viel Spaß miteinander, vor allem als die beiden Jüngsten sich vorstellten, wie 'lustig' es wäre, wenn die Erde sich schneller drehen würde und beide die Arme in die Höhe streckten, mit den Köpfen wackelten und "Aaaaachterbaaaaahn!" schrien.



Ich liebe solche Momente, wenn ich meine Mannen um mich geschart habe und wir einfach gemütlich Zeit miteinander verbringen. Wenn ich sie mir der Reihe nach ansehe und immer wieder staune, wie groß sie schon geworden sind. Irgendwie waren sie doch gerade noch so klein. Jetzt sind die beiden Großen schon 'erwachsen' und der Dritte folgt auf dem Fuße.

Mir wird dann immer sehr schnell klar, dass es nicht mehr lange so bleiben wird. Und das ist ja auch richtig so und trotzdem graut mir vor dem Moment. Ich bin ein Familienmensch und meine Berufung ist seit über 20 Jahren 'Muttersein'. Was macht mich aus, wenn diese Berufung in den Hintergrund tritt? Eine Frage, der ich mich noch nicht wirklich stellen will.

Aber etwas anderes hat mich auch noch beschäftigt, eine Frage, die mein Zweiter völlig unbedarft stellte: "Warum haben eigentlich so viele Frauen etwas dagegen, dass ihre Ehemänner den Kontakt zu ihren Familien noch halten?"

Eine berechtigte Frage. Allein ... was hat ihn heute zu dieser Frage veranlasst? Ich weiß es nicht, aber mir ist bewusst geworden, dass wir als sogenannte 'Herkunftsfamilie' großen Einfluss mit darauf haben, wie unsere Söhne sich später einmal uns und auch ihren Schwiegerfamilien gegenüber verhalten werden.

Ich komme aus einem familiären Hintergrund, den man gut und gerne als 'laut, lebhaft, quirlig, vereinnahmend, zusammenhaltend etc.' benennen könnte. Als wir darüber sprachen, meinte mein Dritter, es wäre mit meiner Familie wohl ähnlich wie in dem Film 'My big fat greek wedding'. Ich musste total lachen, aber er hat recht, finde ich.



Wer den Film kennt, weiß, was ich meine. Wer nicht, dem sei soviel gesagt: es geht um einen aus einer typisch amerikanischen Familie stammenden Mann, der in eine typisch griechische Familie einheiraten will. Seeeehr lustiger Film, vor allem, wenn man Griechenland so sehr mag, wie wir. *2

Die Eltern des jungen Mannes waren völlig erschlagen und anfänglich auch total überfordert von der neuen Familie. Und ganz genauso ist es auch meinen Schwiegereltern gegangen, anfänglich. Mittlerweile haben sie die wuselige Lebhaftigkeit meiner Familie zu schätzen und lieben gelernt.

Aber mir wurde bewusst, dass ich es mir wünschen würde, unsere Jungs würden ein solches Familienverhalten auch lieben und schätzen lernen. Momentan ist es für sie 'Normalzustand' und somit ist ihnen vielleicht nicht ganz klar, dass es eben nicht für jeden 'Normalzustand' ist. Wobei ihnen jetzt auch noch nicht bewusst sein dürfte, wie sehr sie sich als Brüder nahe stehen. Das werden sie wohl - wie ich selbst auch - erst später einmal erkennen.

Oh, was habe ich mich mit meinen Geschwistern gezofft und gestritten. Wie oft mir nicht gewünscht, Einzelkind zu sein. Und jetzt? Ich liebe meine Geschwister, jeden Bruder, jede Schwester so sehr und ich bin von ganzem Herzen dankbar für meine Eltern, die uns als Familie so geeint haben, dass wir als Geschwister so ein noch immer herzliches und liebevolles Miteinander haben. Das ist in der heutigen Zeit wirklich nicht selbstverständlich.

Und das wünsche ich mir auch für meine Söhne. Dass sie später einmal erkennen, wie wichtig ihnen ihre Brüder sind und wie sehr sie füreinander da sein können. Und dass sie auch keine Scheu und Probleme haben, mit uns als Eltern in Kontakt zu bleiben. Familienzusammenkünfte so zu lieben, wie mein Mann und ich es lieben mit meiner Familie.

Beim darüber Nachdenken, wie ich als Mutter das bewerkstelligen kann, fühlte ich mich zuerst einmal ratlos. Was kann ich tun, um dies möglich zu machen? Dabei ist mir ein Gedanke gekommen, den ich zuerst mal nicht wirklich gut fand.

Ich muss sie loslassen und freisetzen!

Whäää, das ist doch das Gegenteil von dem, was ich mir vorstelle? Oder?

Ja, mag zuerst mal wirklich so klingen und auch sein. Aber letztendlich setze ich sie damit auch frei, wieder zurückzukommen. Ich setze sie frei, eine freie eigene Entscheidung zu treffen, damit sie von sich aus die Gemeinschaft mit mir und meinem Besten und ihren Brüdern suchen.

Wenn ich sie unter Druck setze, Erwartungen habe, ihnen meine Vorstellung davon aufzwinge ... dann werde ich nur das Gegenteil bewirken, fürchte ich. Und wenn dies dann vielleicht noch gegen den Willen eventueller Schwiegertöchter geschehen würde, wäre das schon mal ein absolutes No-Go. Das Ergebnis wäre wohl eher, dass verkniffen dreinblickende Söhne und Schwiegertöchter den erzwungenen Treffen beiwohnen und so schnell wie möglich wieder das Weite suchen würden.

Uuuuh ... will ich das? Ganz ehrlich? Nein! Und doch ist in mir da der kleine Gedanke, der mir sagt, ich wäre immerhin die Mutter und könnte doch wohl erwarten und verlangen, dass MEINE Söhne, zu mir kämen. Schließlich hätte ich sie doch unter Schmerzen etc. blabla ....

Wenn ich das so schreibe, wird mir bei meinem Geschreibsel selbst ganz schlecht. Hilfe, so eine Mutter oder Schwiegermutter will ich niemals werden.

Also doch der andere Weg? Der Weg des Loslassens? Des Freisetzens? Sie in Frieden und mit unserem Segen ziehen lassen, damit sie ihren Weg finden und gehen können? Und dann, wenn sie sich erinnern, wenn es sie nach uneingeschränkter Annahme, Liebe und einfach 'Heimkommen' sehnt, die Arme weit offen zu halten, sie Willkommen zu heißen, ohne zu Klammern, sondern wiederum ziehen zu lassen?

Ich glaube, das ist eine Kunst und die größte Herausforderung, wenn man so leidenschaftlich Mutter ist wie ich. Aber ... ich habe einen Vorteil, ich kann mich inspirieren lassen.

Ich hatte mal einen Blog über Freiheit geschrieben, ist schon ein Weilchen her, aber der Gedanke dahinter ist noch immer derselbe.

Gott hat uns auch freigesetzt. Er hat uns sozusagen ziehen lassen, damit wir unseren eigenen Weg finden und erkennen, dass Er uns fehlt. Wie heißt auch ein Spruch? Erst wenn etwas/jemand nicht mehr da ist, erkennen wir, wie sehr es/er uns fehlt. In der Gemeinschaft, während der gemeinsamen Zeit erkennt man oft nicht, wie wertvoll und wichtig genau diese Gemeinschaft für einen ist.

Und deshalb - meine ganz persönliche, subjektive Meinung - hat Gott es aus Liebe zugelassen, dass wir uns von Ihm entfernen, damit wir aus Sehnsucht wieder zu Ihm zurückkommen, in Seine liebenden, weit offen stehenden Armen. Denn nur, wenn wir es selbst wollen, ist es unser eigener Wille und Entschluss bei Ihm zu sein.



Und da mein Geist durch den Heiligen Geist direkt mit meinem liebenden Vater, meinem Gott, verbunden ist, kann ich das, was Er kann, durch Ihn auch in meinem Leben umsetzen. Aus Liebe loslassen ... auch wenn mir der Gedanken momentan noch sehr schwer fällt und anfänglich erst einmal wehtut.

Das heißt auch, sie jetzt, wo sie erwachsen sind bzw. werden, ihre Entscheidungen zu respektieren und wertzuschätzen, auch wenn ich anders entscheiden würde. Ihnen den Halt zu geben, den sie noch brauchen, ohne sie einzuschränken oder zu bevormunden, sie dabei aber nicht blindlings ins Ungewisse rennen zu lassen.

Eine Gratwanderung und mit Sicherheit extrem schwer für mich. Aber ich bin davon überzeugt, dies wird die bessere 'Ernte' hervorbringen, als Druck und Erwartungshaltung.

Und bis es soweit ist, dass meine Jungs das 'Nest' verlassen, werde ich sie mit Liebe überschütten, sie auferbauen, ihnen Mut machen, sie unterstützen, annehmen, ihnen zur Seite stehen, sie unterstützen und Halt geben, aber auch Grenzen setzen, wegweisen, korrigieren, erziehen halt ... niemals willkürlich, immer in Liebe und gemeinsam mit meinem Besten.

Wir beide machen Fehler als Eltern, ganz bestimmt. Aber ich bete und hoffe, dass sie, wenn sie später an ihre Kindheit zurückdenken, das Positive im Vordergrund sehen und so wie ich heute, einfach dankbar für ihre Familie sind.

Soviel mal für heute!

Ich wünsche Euch Allen heute einen wunderbaren und schönen Altjahresabend, an dem Ihr mit Euren Lieben, Freunden, Verwandten und/oder Bekannten feiert und Euch daran erinnert, was dieses 2014 Euch an Gutem und weniger Gutem bereitet hat und wie Gott an jedem Tag mit Euch war und mit Euch hindurchgegangen ist, und Ihr Euch uneingeschränkt freuen könnt, auf ein neues, aufregendes und vor allem unter Seinem Segen stehendes 2015!

Seid gesegnet, Ihr Lieben, von dem einen liebenden, stärkenden, Mut machenden, auferbauenden und vor allem auch in Freiheit loslassenden Vater, der sich nichts sehnlicher wünscht und am Zaun stehend darauf wartet, dass wir in Seine liebenden Arme zurückkehren.

Ich hab Euch lieb und Jesus auch,
Eure Mommy

Quellenangaben:

*1 - "http://www.augsburger-allgemeine.de/panorama/Was-bedeutet-der-Begriff-Zwischen-den-Jahren-id32416872.html"

*2 - Film: "My Big Bat Greek Wedding - Hochzeit auf Griechisch" Warner Vision Germany 2002